Privatsphäre im weltweiten Web – YouTuber-Ausgabe

Stars haben im Allgemeinen wenig Privatsphäre. Ständig wird über ihren Aufenthaltsort, ihren Familienstand und ihr Einkommen spekuliert und diskutiert. Mittlerweile hat man sich daran gewöhnt, obwohl das immer noch nicht heißt, dass es richtig ist. Paparazzi machen ihr Leben unsicher und hängen ihnen für gute Fotos ständig auf den Fersen – zumindest den ganz Großen. Wie schnell man in dem Business zu einem werden kann, beweist unter anderem Benedict Cumberbatch, der zwar jahrelang im Showgeschäft gearbeitet hat, dessen Durchbruch allerdings relativ abrupt kam.
Doch nicht nur die Fotos, sondern auch sämtliche andere Informationen werden von der Fan Community aufgesaugt – egal, ob sie fundiert sind oder ob sich irgendjemand die Infos nur ausgedacht hat. Schade eigentlich, dass die Fans, die sich so für ihren Star interessieren und die so zu ihm stehen, nicht auf offizielle Bestätigungen warten. Dass sie die Grenzen nicht respektieren, die dieser Mensch sich selbst erhalten will.
Ganz zu schweigen davon, dass uns bei weitem nicht alles angeht.

Auch bekannten YouTubern bleibt dieses Schicksal nicht erspart. In einem Interview von David Hain (bekannt durch seine frühere Arbeit bei GIGA oder durch seinen aktuellen YouTube-Kanal BeHaind) äußerten sich die beiden erfolgreichen Let’s Player Gronkh aka Erik Range und Sarazar aka Valentin Rahmel zu dem Thema.
Immer wieder werden sie nach ihren Einkünften, nach ihren Familien und Freundinnen gefragt, selbst nach ihren Privatadressen suchen die Fans, um sich dann vor den Häusern der YouTuber ablichten zu lassen (zumindest früher). Sucht man im Internet nach einem der beiden, stößt man schon bald auf das Ratgebernetzwerk gutefrage.net, in dem nach ihren Adressen und allerlei anderen persönlichen Details gefragt wird. Und das, obwohl gerade bei YouTube die Möglichkeit besteht die Menschen hinter den Kanälen so persönlich kennen zu lernen wie irgend möglich. Stundenlange Spieldurchgänge, in denen die Let’s Player ihre Ansichten und Teile ihres Privatlebens mit uns teilen sollten eigentlich genug des Guten sein. Sind es aber anscheinend nicht für alle.

Das Interview könnt ihr hier sehen:

Selbst YouTuber, die noch keine millionenfache Followerschaft haben, müssen sich damit auseinander setzen. Als Beispiel nenne ich hier einfach mal David Hain selbst.
Seit einigen Monaten folge ich ihm bereits passiv auf YouTube (soll heißen ich schaue häufiger mal in seine BeNews rein), seit einigen Wochen nun auch aktiv, um keine News mehr zu verpassen. Außerdem bin ich auch begeisterte Followerin des Mansion-Kanals von Studio71.
Warum ich ihm folge? Weil ich seine Nachrichten mag, weil ich seinen Stil mag, weil ich es mag, dass er eine konkrete Meinung zu den Dingen hat und nicht ‘rumeiert’. Natürlich ist sein gutes Aussehen ein kleiner Bonus. Was mich dabei weniger interessiert? Ob er eine Freundin hat und wenn ja, wen. Ob er Millionen mit seinem YouTube-Kanal verdient oder ob er nebenher noch was anderes arbeiten muss. Wo er wohnt oder wann er aufsteht.
Erschreckend ist dann allerdings, wenn man unter seinen Videos immer wieder Kommentare findet wie: „Der f**ckt doch die XY“, „XY und der, die vögeln doch.“ Ähm, ja, geht’s vielleicht noch ein bisschen niveauloser? Ich verstehe, dass manche der Poster das eher ironisch meinen, weil es schon so oft gepostet wurde. Aber selbst dann ist das geschmacklos. Sein Macho-Image hängt ihm spätestens seit der Gamescom 2013 und einem Video der NosferatuTV-Truppe an. Vielleicht motiviert die Poster das zu einem solchen Ton zu greifen und ihm zudem noch eine sexuelle Affäre mit jedem anzuhängen, dem er in seinen oder anderen Videos begegnet.
Aber Überraschung: Das Privatleben des David Hain geht uns nichts an. Er teilt, was er teilen will. Wenn er wollte, dass wir wissen, wer seine Auserwählte ist, dann würde er es uns sicherlich mitteilen. Wenn er wollte, dass wir über jedes kleinste Detail seines Lebens informiert sind, dann würde er es uns mitteilen. Die Plattform dazu hätte er ja.

Dann bleibt aber die Frage: Warum wollt ihr das überhaupt wissen, liebe User? Natürlich fühlen wir uns den YouTubern irgendwie näher als anderen Stars. Warum? Weil sie scheinbar aus unserer nerdigen, spiele- und entertainment-begeisterten Mitte kommen. Weil sie sind wie du und ich – zumindest irgendwie.
Aber mal ehrlich: wen würdet ihr all das fragen, wem ihr nicht schon häufiger mal persönlich begegnet seid? Selbst eine meiner besten Freundinnen hat, als sie mich nach meinem Gehalt gefragt hat, ein: ‘Nur, wenn es für dich ok ist’ dazu gesetzt. Über Beziehungen und Affären spricht man doch auch nicht mit jedem x-beliebigen Menschen auf der Straße.
Wie würde euch das denn gefallen, wenn jeder, dem ihr begegnet, euch erst einmal über euer Liebesleben ausfragen würde und sich im Prinzip gar nicht für das interessiert, was euch eigentlich ausmacht? Selbst Dating funktioniert doch anders.
Stellt euch so eine merkwürdige Szene doch mal vor, in der ihr eurem Gegenüber gerade vorgestellt worden seid: „Hallo, mein Name ist Franz. Siehst ganz nett aus. Vögelst du nicht deinen Nachbarn?“ Ich kann mir vorstellen, dass sich das für viele unserer ‘geliebten’ YouTuber genauso anfühlt. Und das unter öffentlicher Beobachtung. Das, was sie sagen und tun wird nicht nur von einem gesehen, sondern gleich von Hunderten, Tausenden oder sogar Hunderttausenden.

Also bitte: gebt euch doch mit den persönlichen Informationen zufrieden, die ihr bekommt. Erfreut euch an den Inhalten, die uns geboten werden. Inhalte, die auf unsere Interessen abgestimmt sind und fernab des TV-Mainstreams laufen. Exklusive Einblicke in Gaming-Erlebnisse, Berichte über Messen und andere Attraktionen, die wir nur in seltenen Fällen aus dieser Perspektive zu sehen bekommen. Seid doch einfach froh, dass so geniale Menschen wie Gronkh, Sarazar und David Hain Kanäle auf YouTube betreiben* und uns immer wieder mit einmaligem Content beglücken.
Und seid euch doch auch mal der Möglichkeit bewusst, dass die Betreiber der Kanäle irgendwann gar nicht mehr auf eure Fragen antworten könnten, wenn sie genervt sind.
Noch eine kleine Bemerkung zum Schluss: ich weiß natürlich, dass nicht alle Follower und Fans der YouTuber so sind. Ich weiß, dass viele auch auf einem vernünftigen Niveau diskutieren und fragen können. Sonst gebe es die guten Q&As nicht. All diesen Followern möchte ich ans Herz legen einfach so zu bleiben wie sie sind.🙂

In diesem Sinne: einen schönen Start in die Woche!

*natürlich gibt es noch einen Haufen anderer YouTuber, die genial sind und uns 1a-Inhalte liefern. Dies soll keine ausschließliche Liste sein.😉

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