Richard Taylor: eines meiner Idole. Dieser Mann ist so inspirierend wie sonst kaum ein anderer.

Erlebnisbericht HobbitCon II (Ostern 2014)

Oh ja, vor dem allseits bekannten Phänomen des Con-Blues bin ich ausführlich gewarnt worden. Genauso davor, dass Cons süchtig machen. Beides habe ich erstmal nicht geglaubt. Habe mir zwar gedacht, dass das sicherlich ein einmaliges Erlebnis wird, doch nicht wirklich, dass es mich danach in den Blues treibt. Oder sogar nach einer Wiederholung schreit. Sind ja schließlich nur drei Tage.
Wie falsch ich damit gelegen habe, konnte mein vergangenes Ich nicht im Geringsten vermuten…

Samstag, 19.04.2014:

Auf dem Weg zu meiner allerersten Convention. Ich fahre mit gemischten Gefühlen dorthin. Einerseits ist mir ein wenig mulmig zumute. Ich habe so viel über Conventions gehört – und nicht nur Gutes -, dass ich gar nicht weiß, was ich glauben soll. Verrückte und Verwirrte soll es dort geben, die keinen anderen Lebenssinn mehr haben als die fantastischen Welten, die auf einer Con vertreten werden. Aber: ich bin genauso verrückt. Ich habe mich angemeldet, habe den Eintrittspreis bezahlt und ein Hotelzimmer mit zwei Mitbewohnern gebucht, die ich nicht einmal kenne. Volles Risiko also.
Andererseits freue ich mich auf dieses Event wie ein kleines Kind auf Weihnachten. All die berühmten Menschen, die vielen Geschichten, die vielen Gleichgesinnten und ein Stück Mittelerde mitten in Bonn. Ja, spätestens an dem Punkt wird einem dann doch klar, dass die anderen Con-Teilnehmer auch nicht wirklich viel verrückter sein können als ich.
Gleich zu Beginn bin ich mit zwei Mädels verabredet, die ich vorher nur über Facebook kannte. Als ich das Hotel betrete und nach dem Klavier suche, das eigentlich unser Treffpunkt sein sollte, laufe ich direkt mal schnurstracks an einer der beiden vorbei, die bereits mit zwei mir bis dato weniger bekannten Personen vor dem Aufzug steht. Zwei Mal. Bevor ich dann ihr Elben-Kostüm wiedererkenne, das sie bereits bei FB gepostet hat. Langsam nähere ich mich der Gruppe und spreche sie kleinlaut mit ihrem Namen an. Als sie reagiert und mich zur Begrüßung strahlend umarmt, habe ich meine erste Freundin auf der Con schon gefunden. Zudem eine, die sich bereits bestens auskennt, weil sie schon seit 2003 regelmäßig Cons des Veranstalters besucht. Der junge Herr und die zweite Dame werden kurz vorgestellt und schon sind wir bereit für unser Wochenend-Abenteuer. Längst sind die Gedanken an Verrückte und Verwirrte weit, ganz weit in den Hintergrund gerückt und nur noch der Moment zählt. Ja, ich bin in Mittelerde!

Die beiden Marks der Con: Mark Ferguson (rechts, bekannt als Gil-Galad) und Mark Hadlow (bekannt als Dori) Rechte am Bild: Marko Krenz Photographie
Die beiden Marks der Con: Mark Ferguson (rechts, bekannt als Gil-Galad) und Mark Hadlow (bekannt als Dori)
Rechte am Bild: Marko Krenz Photographie

Ich checke kurz ins Hotel ein und bin positiv überrascht, dass ich mein Zimmer jetzt um 11 Uhr schon beziehen kann statt erst um 15 Uhr. In Windeseile bringe ich meinen Koffer aufs Zimmer und sichere mir das beste Bett, weil meine beiden Mitbewohnerinnen noch nicht eingezogen sind. Mit gleicher Geschwindigkeit trete ich die Reise ins Erdgeschoss wieder an – übrigens mit erstem Starkontakt: Royd Tolkien -, weil wir ja schließlich auch noch eine Mitstreiterin vermissen, die mir mittlerweile geschrieben hat, dass sie an einem Bahnübergang festsitzt und ein paar Minuten später kommt. Passt ja, so bin ich noch schnell meinen Koffer losgeworden.
Als ich wieder unten ankomme, trudelt der zweite Neuling auch ein, der junge Herr trennt sich von unserer Gruppe. Damit bleiben dann vier Damen über. Zwei Urgesteine und zwei Frischlinge. Hihi
Die Urgesteine sind natürlich schon angemeldet und bereit sich ins Getümmel zu werfen, während wir zwei Frischlinge erst noch kurz nachfragen müssen, was jetzt wo anliegt. Wo wir uns anstellen müssen und überhaupt, wie das denn alles abläuft. Oh Mann, ist das alles jetzt schon aufregend. Dabei stehen wir noch gar nicht in der Schlange.
Während wir also darauf warten unsere schicken Con-Armbändchen in Empfang nehmen zu dürfen, quatschen wir quer durch die Schlange mit Fans von fern und nah. Dabei gabeln wir gleich den nächsten Frischling auf, der sich unserer kleinen Gruppe anschließt. Sie hatte unsprünglich geplant mit ihrer Freundin auf die Con zu gehen, doch die wurde leider krank. Kein Problem, gemeinsam blicken wir sicherlich schneller durch…
Dann endlich ist es soweit. Das graue Armbändchen, das symbolisiert, dass ich eine Silberticket-Inhaberin bin, baumelt an meinem Arm (und wird es übrigens auch die nächsten drei Tage). Mein Con-Ausweis wird mit den 4 Autogramm-Gutscheinen sicher verstaut. Ich will ja nichts verlieren.
Am Einlass werden wir dann zum ersten Mal aufgefordert unsere Bändchen und unsere Ausweise zu zeigen. Kein Problem. Ausweis also aus der sicheren Verstauung hervor gekramt und direkt beschlossen, dass ein Schlüsselband her muss. Das macht die ganze Sache einfacher, weil ich den Ausweis dann einfach um den Hals hängen habe und auf Verlangen direkt vorzeigen kann. So, hätten wir das also auch geklärt.
Als Nächstes irren wir Frischlinge ein wenig planlos durch die Gegend, während die Urgesteine bereits den Workshop von WETA-Chef Sir Richard Taylor besuchen – übrigens einer meiner persönlichen Helden und ein besonderes Highlight der Con. Nachdem wir sowohl den oberen als auch den unteren Trakt genauer unter die Lupe genommen haben und so ungefähr wissen, wo sich alle Räume befinden, machen wir uns auf nach Valinor. Ich glaube der Saal heißt so, weil man sich als Con-Besucher hier am längsten aufhalten kann. Sehr clever, gefällt mir.

Graham McTavish (alias Dwalin) und Con-Neuling Ken Stott (alias Balin); Photograph: Mario Krenz Photographie
Graham McTavish (alias Dwalin) und Con-Neuling Ken Stott (alias Balin);
Photograph: Marko Krenz Photographie

Mittlerweile haben wir leider den ersten Vortrag verpasst. Mist, wäre auch ausgerechnet noch Cirdan’s Vortrag über „Der Hobbit: Das große Finale“ gewesen. * seufz * Aber naja, man kann nicht alles haben – ich muss zu meiner eigenen Schande aber auch gestehen, dass ich vor der Con keine Ahnung hatte, wie Cirdan mit bürgerlichem Namen heißt.
Das erste Panel, das wir dann letztendlich besuchen, ist das von Mark Hadlow (Kinogängern als Dori bekannt) und Stephen Hunter (aka Bombur). Mich fasziniert, mit welcher Leichtigkeit die beiden Stars Fragen beantworten, wie locker sie mit dem Publikum umgehen und wie sie sich fast schon familiär mit uns verständigen. Als sich danach noch Mark Hadlow und Peter Hambleton (aka Gloin) in die Reihe hinter mich setzen und dem nächsten Panel lauschen, bin ich für einen Moment total überwältigt. Ich muss dazu sagen, dass ich vorher kaum berühmten Menschen begegnet bin. Letztes Jahr bin ich Natalie Horler am Flughafen über den Weg gelaufen und als ich 4 war, hat mich irgendein bekannter Politiker werbewirksam auf den Arm genommen, als er sich dem niederen Volk widmete. Aber das war es dann auch so ziemlich.
Und diese Stars aus diesen Filmen, die ich so liebe, nur einen halben Meter hinter mir sitzen zu haben, das war dann schon ein Erlebnis. Aber da wusste ich noch nicht, dass das erst der Anfang sein sollte.
Nächstes Panel: Sir Richard Taylor. Dieser Mann ist Inspiration und Ermutigung auf zwei Beinen. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand, der so viel erreicht hat und sich einen so großen Namen gemacht hat, so bescheiden und beinahe schon schüchtern sein kann. Sichtlich unangenehm war es dem Weta-Chef, wenn es nur um seine Person ging. Sobald es aber um die Arbeit oder gar sein Unternehmen ging, war er Feuer und Flamme. Den Wechsel zwischen Bescheidenheit und flammender Leidenschaft zu sehen, macht seinen Vortrag zu etwas ganz Besonderem. Genauso wie seine inspirierenden und ermutigenden Worte. Für ihn sei die Passion für eine Sache das wichtigste Einstellungskriterium, genauso wie Beharrlichkeit und Einsatz. Erst an letzter Stelle käme es auf das Talent an, denn nur, wer etwas wirklich will, würde sich auch dafür einsetzen – egal, was käme. Wer etwas nur täte, weil er es gut kann, der wäre nicht so eine sichere Nummer. Wo er recht hat, hat er recht. Aber schon alleine die zwei Sätze treiben mir schon wieder die Tränen in die Augen. Mensch, der Mann ist redegewandt. Ich könnte noch zwei Stunden über Sir Richard Taylor schreiben, da er aber sowieso noch an der ein oder anderen Stelle dieses Berichts vorkommen wird, spare ich mir das hier.
Es folgen zwei sehr unterhaltsame Panels mit weiteren Zwergenstars: John Callen (Oin), Peter Hambleton (Gloin) und William Kircher (Bofur) teilen sich eines, Adam Brown (Ori) und Dean O’Gorman (Fili) das zweite. Die älteren Zwerge machen so ihre Witze über das Altern und das Alter. John Callen hat sogar Props aus dem Film dabei. Sein Original-Hörrohr und einen Teil seiner Gesichtsmaske, die er auch direkt mal einem Fan aus dem Publikum aufsetzt.
Dean O’Gorman – Traum unzähliger schlafloser Nächte (hier sei erwähnt: nicht meiner) – wird im nächsten Panel mit allerlei Fragen bombadiert, die zum Teil skurril anmuten. Aber sowohl er als auch Adam Brown haben Spaß an der Geschichte, gehen ungemein locker miteinander und dem Publikum um. Ach ja, und sie spielen einen Heiratsantrag auf der Bühne. Ori bittet Fili um seine Hand, und das nicht ohne den obligatorischen Kuss. Der Saal ist amused, very amused.
Für uns folgt danach erst einmal eine kurze Essenspause. Auch ganz gut für die Lachmuskeln, die sich dann entspannen können. Je mehr Leute ich hier kennenlerne und je mehr ich hier erlebe, desto klarer wird mir, dass ich hierher passe. Somit vielleicht auch eine der Verrückten bin, was ich aber gar nicht so sehe. Dieselbe Leidenschaft für ein Interessengebiet zu teilen, macht einen nicht verrückt oder verwirrt, sondern im extremsten Falle einfach nur anders als die Norm. Wobei hier ja auch stark darüber diskutiert werden kann, wer die Norm bestimmt und wer darunter fällt.😉
Um 18:30 Uhr geht es mit der Eröffnungszeremonie weiter. Jeder der Vortragenden, der Workshopleiter und der Stargäste wird noch einmal kurz vorgestellt oder stellt sich selber kurz vor. Sehr angenehm zu wissen, wer wer ist und zu wissen, wer welche Veranstaltung leitet. Ich hätte ja sehr, sehr gerne am Chor-Workshop teilgenommen, aber irgendwie habe ich keinen der jeweils 4- bzw. 2-stündigen Teile in meinem Programm unterbringen können. Vielleicht im nächsten Jahr, falls es erneut eine HobbitCon geben sollte.

Comedy Hour mit Mark Ferguson, Jed Brophy und Dean O'Gorman (v.r.); Photograph: Marko Krenz Photographie
Comedy Hour mit Mark Ferguson, Jed Brophy und Dean O’Gorman (v.r.);
Photograph: Marko Krenz Photographie

Direkt im Anschluss die Comedy Hour mit vier Stargästen und einem traumhaften MC, der übrigens auch zu den unerwarteten Highlights des Events gehört. Mark Ferguson, dem ein oder anderen vielleicht durch seine Rolle als Gil-Galad in der Herr der Ringe-Verfilmung bekannt, führt das Publikum den ganzen Tag durch das Programm in Valinor. Mit Charme und Humor reißt er uns alle mit und lässt uns nicht nur versetzt die berühmte Worte: „Come now, don’t be shy, step into the light“ rufen, sondern dazu auch noch die Fluggeräusche von Smaug imitieren. Und beinahe hätte ich noch die unglaublich süßen Bilder seines kleinen Sohnes vergessen, die uns der MC stolz präsentiert. Der kleine Louie, der nach ein paar Monaten Lebenszeit schon auf seinen Papa verzichten muss.
Die Comedy Hour ist – wie der Name schon verrät – mit das Lustigste an der ganzen Con. In alt-bekannter Quizshow-Art werden die vier Stargäste (Jed Brophy, Dean O’Gorman, Mark Hadlow und Stephen Hunter) auf die Probe gestellt. Von Wissensfragen über das Nachstellen einer Fanfiction bis hin zu imaginären Vorstellungsgesprächen in Tierform ist alles dabei. Mit vom Lachen schmerzenden Seiten geht es danach kurz aufs Zimmer, damit ich mich frisch machen kann und etwas anziehen, was irgendwie mehr zu einer Party passt als ein Pullover und eine Jeans. Schwarzes Kleid, High-Heels, kleinere Handtasche. Den Sitz des Make-Ups grad nochmal überprüft und wieder ab nach unten. Schon nach einer Viertelstunden muss ich mich leider von meinen – bis dato ungetragenen – High-Heels verabschieden und tausche sie auf dem Zimmer gegen eine flachere Variante ein. Und treffe zum ersten Mal auf meine beiden Mitbewohnerinnen, die nicht mitfeiern, die es aber auch nicht stört, wenn ich erst spät wiederkomme. Prima.
Die Party kann kommen. Im Foyer des Hotels erklingt schon die Live-Musik von Harpo speaks, als ich den Aufzug verlasse. Meine beiden Urgesteine und den zweiten Frischling finde ich bald wieder und wir stellen uns ein wenig abseits. Ich bin immer noch total fasziniert davon, dass die Stars mir hier dauernd über den Weg laufen. An der Bar, auf der Tanzfläche, an den Aufzügen. Überall.
Aber so richtig traue ich mich nicht sie anzusprechen. Muss ich auch gar nicht unbedingt. Es ist einfach schön, theoretisch die Chance zu haben. Vor allem geht es mir aber um die tolle Atmosphäre. Keiner rückt den Stars so nah auf die Pelle, dass die gerettet werden müssen. Keiner benimmt sich – soweit ich gesehen habe – respektlos ihnen gegenüber. Und das Verhalten unter den Con-Besuchern ist so ziemlich das friedfertigste und kameradschaftlichste, was ich bisher auf Großveranstaltungen erlebt habe.
Später wechseln wir an einen Tisch. Und ich tanze, wie ich schon seit Monaten nicht mehr getanzt habe. Auf dieser Con fühle ich mich definitiv wohl. So viele Gleichgesinnte mit so vielen unterschiedlichen Hintergründen, die in diesem Moment und in den folgenden Tagen einfach mal gar nicht zählen. Die verkleideten Zwerge und Elben, sogar der Schlüssel zum Erebor – alle vereint im tolkienistischen Universum, in das sich das Maritim an diesem Wochenende verwandelt. Wahnsinn!

Sonntag, 20.04.2014:
Morgens die erste Möglichkeit mal ein paar Worte mit meinen Mitbewohnerinnen zu wechseln. Ich möchte schon wissen, wer da des Nachts so neben mir liegt. Sehr nette Mädels, die eine 16, die andere 21. Als mich eine der beiden jünger schätzt, als ich bin, ahne ich noch nicht, dass das auch irgendwie Motto des Tages ist.
Gleich nach dem Frühstück muss ich mich von meinem zweiten Frischling trennen, weil auch sie einen Platz im zweiten Workshop von Sir Richard Taylor ergattert hat. Ich hab’s natürlich in der Con-Vorbereitung verpeilt und nicht so wirklich verstanden, dass ich mich hätte extra anmelden müssen. Aber was soll’s. Ich genieße die Con auch so.
Das erste Panel teilen sich Graham McTavish (Dwalin) und sein Film-Bruder Ken Stott (Balin), für den es übrigens ebenfalls der erste Besuch einer Convention war. Beide Männer sind sehr liebenswert und stehen dem Publikum in jeder Frage Rede und Antwort. Man merkt den Schauspielern an, wie gut sie nach der langen Drehzeit eingespielt und aufeinander abgestimmt sind. Direkt im Anschluss sind Jed Brophy (Nori) und Stephen Hunter (Bombur) noch einmal auf der Bühne zu sehen. Sie erzählen anschaulich von den Dreharbeiten – Jed Brophy in der ihm eigenen, fast schon hyperaktiven Art.
Auch der Ur-Ur-Enkel des Autors J.R.R. Tolkien – Royd Tolkien – ist anwesend und teilt sich das nächste Panel mit Sadwyn Brophy. Sadwyn spielte im Alter von 5 Jahren im dritten Teil der HdR-Trilogie mit und verkörperte damals den Sohn Aragorns und Arwens, der Elrond in einer Vision erscheint. Im selben Teil versuchte auch Royd Tolkien sich an der Schauspielerei, indem er dort einen Ranger verkörperte. Beide seit Kindestagen mit Mittelerde verbunden, bereuen das nicht im Geringsten.
Kurze Mittagspause, bevor ich mich für die Autogrammstunde anstelle und auf meine beiden Con-Urgesteine treffe. Das ist auch ganz gut so, da ich so viele Fragen habe, dass ich schon befürchte den beiden gehörig auf die Nerven zu gehen. In der Schlange stehen so viele ganz toll kostümierte Menschen. Elben und Zwerge in der Überzahl, aber vereinzelt auch ein paar Hobbits. Ich muss mir für die nächste Con auch ein Kostüm überlegen. Eine grobe Idee habe ich schon, allerdings keine Ahnung, ob sich das wohl umsetzen lassen wird. Wir werden sehen. Vielleicht zeige ich euch im Verlauf der nächsten Ausgaben auch den Weg zu meinem einmaligen, in meiner Fantasie fantastischen Kostüm… Obwohl lieber nicht. Ich glaub nicht, dass ihr meine zunächst mal kläglichen Versuche sehen wollt.😉
Nun ist es soweit, wir werden in den Saal eingelassen, in dem die Stars Autogramme verteilen. Vier Gutscheine habe ich, weil ich mich für ein Silberticket entschieden habe. Zwar teurer als ein einfaches Wochenendticket, aber es lohnt sich wirklich. Ich habe nicht nur die vier Autogramme inklusive, sondern auch den Vorteil, dass ich sowohl bei Autogrammen als auch bei den Fotosessions vor den WE-Ticket-Inhabern dran bin.

Richard Taylor: eines meiner Idole. Dieser Mann ist so inspirierend wie sonst kaum ein anderer.
Richard Taylor: eines meiner Idole. Dieser Mann ist so inspirierend wie sonst kaum ein anderer.

Ich hab mir schon vorher überlegt, von wem ich Autogramme möchte. Drei Slots sind bei mir definitv belegt mit Ken Stott, John Callen und Graham McTavish. Für das vierte Autogramm suche ich mir spontan Stephen Hunter aus – Mensch, das fällt aber auch schwer. Mehr ausgeben will ich aber nicht, weil ich mir für meine erste Con ein Budget festgelegt habe. Und das schließt keine weiteren Autogramme ein. Ich bleibe stark, obwohl auch Sir Richard Taylor, Dean O’Gorman und … alle anderen auf meiner Wunschliste stehen. Nächstes Jahr vielleicht.
Die Schlangen vor den Tischen sind enorm lang, die Aufregung vor dem ersten persönlichen Treffen mit einem Star ist enorm hoch. Ich suche mir dazu John Callen aus. Die Schlange rückt immer ein kleines Stückchen vor, bis ich dann am Tisch stehe und der netten Dame neben Mr. Callen meinen Gutschein und meine DVD in die Hand drücke. Der letzte Con-Besucher, der zwischen mir und Oin steht, nimmt sein Autogramm entgegen und geht. Mein Herz klopft ein bisschen schneller als ich von der freundlichen Baritonstimme begrüßt werden, die mir sonst nur aus den Lautsprechern meines Fernsehers bekannt ist. Wir wechseln ein paar Worte und der erste richtige Starkontakt ist gemeistert. Ja, das hört sich vielleicht ein wenig kindisch an. Aber man kann das erst nachempfinden, wenn man das mitgemacht hat. Glaube ich.
Auch mit Stephen Hunter, Graham McTavish und Ken Stott wechsele ich ein paar Worte, bevor ich nach etwas mehr als 2 Stunden den Autogrammsaal wieder verlasse. Überglücklich mit meiner handsignierten Ausgabe der DVD zu „Smaugs Einöde“.

Mein Schatz... ;)
Mein Schatz…😉

Kurze Pause, bevor der Kostümwettbewerb beginnt, in deren Jury Sir Richard Taylor, William Kircher, Sadwyn Brophy, Royd Tolkien und die zwei Mitstreiter der Defcon Unlimited sitzen. Die Kostüme sind der Hammer! Eines schöner als das andere. Bilbos und Smaugs wirbeln über die Bühne, diverse Zwerge folgen ihnen genauso wie Elben. Wie viel Liebe und Detailarbeit in den Kostümen steckt, ist nur zu erahnen. Aber alle sehen einfach bombastisch aus. Mein persönlicher Favorit ist eine junge Frau, die ein wundervolles goldenes Kleid trägt, auf das sie im Frontbereich auch Smaugs Münzen aufgenäht hat. Um den Körper gewunden sitzt ein roter Drache. Ganz, ganz toll. Aber auch die Kostüme der Zwerge sind umwerfend. Alle sehen so aus als wären sie direkt bereit auf die unerwartete Reise zu gehen. Von den Elben mal ganz zu schweigen – von kriegerisch bis hochmütig-elegant alles dabei. Ein Fest fürs Auge, das ich leider früher verlassen muss, um noch einen guten Platz in der Foto-Schlange zu bekommen, die mich einem Foto mit Sir Richard Taylor näher bringt.
Davor bin ich noch ein bisschen aufgeregter. Ich mag die meisten Fotos von mir nicht und dieses hier soll doch wirklich schön werden. Außerdem treffe ich gleich Richard Taylor, wenn auch nur für gefühlte 5 Sekunden. Vor der Tür zum Foto-Raum zupfe ich noch schnell hier und da an meinen Klamotten herum, während ich darauf warte, dass die Schlange sich Stück für Stück weiter bewegt. Ich gebe meine Tasche direkt am Zimmereingang ab und lasse mich sanft weiter schieben, bis ich schließlich nah an Sir Richard Taylor gekuschelt abgelichtet werde. Ich bin ein bisschen zu aufgeregt, um irgendetwas Vernünftiges zu sagen, so dass sich der Weta-Chef vorstellt mit den Worten: „Hi, my name is Richard.“ Worauf ich dann mutiger antworte: „My name is Sarah, thank you very much.“ Für mehr reicht die Zeit dann auch leider nicht mehr. Aber das macht nichts, ich bin glückselig.
Ein paar bange Sekunden muss ich noch überstehen, aber als ich das Foto in den Händen halte, bin ich mehr als nur zufrieden. Ich sehe wirklich ganz gut aus. Kommt wahrscheinlich von dem ganzen Adrenalin. DVD und Foto sind nun mein Schaatz!
Zum nächsten Panel komme ich dann etwa eine halbe Stunden zu spät. Lustig ist es trotzdem, als Adam Brown von einer Panne im Theater erzählt, die ihn wohl seinen Lebtag lang verfolgen wird. Viel mehr bekomme ich dann leider auch gar nicht mehr mit, bevor es um ist.
Für den nächsten Vortrag wechsele ich den Saal. Aus Valinor nach Gondolin. Und das in nur ein paar Metern. Olwe und Cirdan lesen Fanfictions FSK 18. Na, das hört sich doch interessant an. Einer der Con-Mitarbeiter steht am Einlass und lässt nach und nach die Besucher in den deutlich kleineren Saal. Als ich an der Reihe bin, zeige ich brav mein Armbändchen und meinen Con-Ausweis. Erst nickt er zögerlich, dann hält er mich zurück. „Ich müsste deinen Ausweis noch sehen.“ Ein wenig verdattert schaue ich ihn an. Ich bin immerhin letztes Jahr 30 geworden. Aber ohne weiteres Murren zücke ich meinen Personalausweis und halte ihn ihm vor die Nase. Dann darf ich rein. Ein bisschen verspätet. Die Sitzplätze sind schon alle belegt, aber zusätzliche Stühle stehen aufgestapelt am Rand des Saals. Fanfictions sind und bleiben wohl ein sehr unterhaltsames Genre. Wie auch dieser Vortrag zeigt. Meine Lachmuskeln werden überstrapaziert, auch als dann noch eine Fanfiction in Buchform auftaucht, die auf einer der vergangenen Cons spielt. Wie genial!
Obwohl der Vortrag noch ein wenig weitergeht, muss ich schon um kurz nach 21 Uhr den Saal verlassen, weil ich mit Frischling Nummer 2 verabredet bin. Wir wollen uns schließlich noch für die Party fertig machen.
Die Party ist gigantisch. Noch ein bisschen wilder als am Abend davor, obwohl mir die Musik im Westernstil nicht ganz so gut gefällt. Damit bin ich aber anscheinend so ziemlich allein. Es wird getanzt, bis die Decke wackelt. Alle haben den Spaß ihres Lebens. Wir natürlich auch. Als der DJ später übernimmt tanzen wir uns die Füße wund. Gegen 1:30 Uhr ist die Nacht für uns dann aber erst einmal vorbei.

Montag, 21.04.2014:
Morgens beim Frühstück gleich die nächsten netten Menschen kennen gelernt. Ein Ehepaar, für das die zweite Hobbitcon nicht die erste Convention überhaupt ist. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich über dieses oder jenes aus. Ein gelungener Start in den Tag. Ich vergesse die Zeit ein wenig und komme zu spät zum Treffen mit meinem zweiten Frischling (Zuspätkommen ist übrigens eine meiner Spezialitäten * räusper *).
Und schon beginnt der LETZTE Con-Tag. Ich kann es kaum fassen. Wie geht das? Warum ist das alles jetzt schon fast vorbei? Mein Koffer steht schon gepackt in der Garderobe. Aber: der ganze Tag liegt noch vor mir. Noch ganz viel Abenteuer auf der ‘long-expected party’.
Von 10 bis 12 Uhr nehmen wir am Screenwriting-Workshop teil. Sehr aufschlussreich, schonungslos ehrlich und vor allem sehr unterhaltsam. Eine unserer beiden Workshopleiterinnen ist selbst Screenwriterin, die andere arbeitet an Film- bzw. Seriensets und achtet vor allem auf die Continuity. Zusammen geben sie uns Tipps, wie wir eine Schreibblockade überwinden können oder wie wir ein Thema finden, das uns Spaß macht. Aber nicht nur das, sondern auch wertvolle Ratschläge über die Gestaltung und Vorbereitung eines Scripts bekommen wir von ihnen. In kleinen Gruppen erarbeiten wir die erste Version eines Fantasie-Films. Ich stelle meine Protagonistin aus einem anderen Projekt zur Verfügung und wir lassen gemeinsam unseren Ideen freien Lauf. Was leider zur Folge hat, dass wir mit den gegebenen Aufgabenstellungen nicht immer rechtzeitig fertig werden. Am Ende jedoch sind wir alle ein Stückchen weiser und ich bin nun sehr interessiert am Screenwriting.

Mark Hadlow mit einer fantastischen Fan-Art; Photograph: Marko Krenz Photographie
Mark Hadlow mit einer fantastischen Fan-Art;
Photograph: Marko Krenz Photographie

Kurze Mittagspause – danach geht es zum zweiten Mal in das Panel von Ken Stott und Graham McTavish. Mit den beiden wird es einfach nie langweilig. Es folgt Sir Richard Taylor, der wieder so inspirierend und ermutigend ist wie kaum ein anderer Redner. In mir löst das immer so eine Sehnsucht danach aus das zu tun, was ich tun möchte und das zu realisieren, wovon ich träume. Und vielleicht eines Tages damit nicht nur glücklich zu werden, sondern vielleicht, ganz vielleicht auch Geld damit zu verdienen.
Das folgende Einzelpanel von William Kircher in seinem Matrix-Mantel ist fast so unterhaltsam wie das Comedy-Panel am Samstag. Wenn er kein Entertainer ist, dann weiß ich es nicht. Nach einiger Zeit geht er dazu über die fragenden Fans für ihre Frage auf die Bühne zu holen. Eine der Fragestellerinnen gesteht im Wisperton: „I love you!“ Zuckersüß und das Publikum kann sie sehr gut verstehen.
Was dann kommt, macht uns traurig. Jeden von uns – sowohl auf als auch vor der Bühne. Das Ende der zweiten Hobbitcon, die noch einmal im Pulp-Fiction-Stil von Mark Ferguson zusammengefasst wird. Nach und nach erscheint jedes Gesicht auf der Bühne, das den Besuchern am Wochenende begegnet ist. Jedes Gesicht, das wir durch Veranstaltungen und Parties lieb gewonnen haben. Langsam wird klar, dass der Ausflug nach Mittelerde sich dem Ende neigt. Dass jeder von uns wieder seinem eigenen Hobbit-Haus entgegensteuern muss. Doch nicht, bevor der ‘Mittelerde-Chor’ eine bezaubernde A-Capella-Version des Misty Mountains Songs verlauten lässt. Wunderschön und mehr elbisch als zwergig.
Noch einmal tosender Applaus für alle Beteiligten, die durch die grüne, runde Tür an der Seite wieder von der Bühne verschwinden. Um dann noch einmal durch den Applaus auf die Bühne gerufen zu werden. In einem weiteren magischen Moment stimmen nun die Zwerge selbst ihren Misty Mountains Song an. Atemberaubend, sie verzaubern mit ihren Stimmen auch noch den letzten Zuschauer im Saal. Bis auf mich, weil ich es nämlich nicht mitbekomme. Stattdessen stehe ich schon an der Garderobe und hole meinen Koffer. Das nennt man dann wohl schlechtes Timing.
Der Abschied von meinen Con-Mitstreitern – Urgesteine genauso wie Frischlinge – fällt schwerer als gedacht. Es fühlt sich irgendwie so an als hätten wir an diesem Wochenende unsere eigene kleine Gemeinschaft gegründet. Zusammen mit allen anderen Con-Besuchern natürlich. Die Atmosphäre ist nie feindselig gewesen, hatte immer etwas Freundschaftliches, Nettes, Kameradschaftliches. Einfach etwas, was uns im alltäglichen Leben irgendwie abhanden gekommen ist.

Auf dem Weg nach Hause wird mir schnell klar, dass mir all das fehlen wird. Der Spaß, die Geselligkeit, das Sein unter Gleichgesinnten. Und genauso klar wird mir, dass kaum jemand das verstehen wird, wenn er nicht selbst dabei gewesen ist.
Und so treibe ich den Wellen des Con-Blues entgegen. Unaufhörlich. Geheilt werden kann wohl nur, wer noch einmal eine Con besucht. Und eines steht für mich mehr als fest: ich bin definitiv auf einer der nächsten Cons wieder mit am Start.
Nachtrag: Mittlerweile habe ich mein Ticket für die RingCon.😉

Für einige der Fotos danke ich Marko Krenz Fotografie ganz herzlich!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s