wpid-img_20150926_200108.jpg

[Review] Filmfestival Münster, Kurzfilmblock 6

In der letzten Woche öffnete das Cineplex seine Tore zum 16. Filmfestival Münster. Es gab wieder viele Filme zu bewundern, doch leider reichte vor allem meine Zeit nicht aus, um mir alles anzusehen.😉
Den ein oder anderen Block konnte ich mir dann aber doch nicht entgehen lassen. Block 6 des Kurzfilmwettbewerbs beispielsweise. Insgesamt waren 37 Kurzfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angetreten, um sich bewerten zu lassen und miteinander in Konkurrenz zu treten.

Sarah_Festival

In Block 6 waren es dann 5 Filme mit einer Länge zwischen 6 und 30 Minuten.
Den Anfang machte “Der Damm” des österreichischen Regisseurs Nikolaus Müller. Seine Protagonisten Katharina (Julia Schranz) und Chris (Sami Loris) sind ein Paar auf Wochenendausflug. Sie versuchen dem Alltag zu entfliehen, ihren täglichen Ritualen, dem gemeinsamen Genervt-Sein.
“Der Damm” ist ein sehr einfühlsamer, atmosphärischer Film, der es ohne viel Schnick-Schnack schafft zu zeigen, wie langweilig eine zwischenmenschliche Beziehung werden kann. Der zeigt, wie eingefahren eine langjährige Beziehung sein kann, in der man sich seines Gegenübers nur allzu sicher ist und in der man der Einfachheit halber lieber zusammenbleibt, auch wenn einen nicht mehr viel aneinander bindet.
Besonders gefallen hat mir der emotionale Höhepunkt auf dem Damm, nachdem Kathi und Chris ihr “Abenteuer” in den Bergen hinter sich haben und sich erleichtert in die Arme nehmen. Es ist ein Moment der emotionalen Innigkeit, der beim Zuschauer den Wunsch und das Gefühl weckt, dass nun alles gut werde. Doch letzten Endes ist es nur der Auftakt des Endes.
“Der Damm” hat mir besonders schauspielerisch sehr gefallen. Sowohl Julia Schranz als auch Sami Loris schaffen es gekonnt darzustellen, wie sich die Gereiztheit, die Selbstverständlichkeit, die Langeweile auf ihre Beziehung auswirken. Wie ihre Rituale zu einem sicheren Gerüst werden, aber auch zu einem emotionalen Damm, der verhindert, dass die beiden ehrlich miteinander umgehen.
Fazit: Ein emotionaler Film mit Höhen und Tiefen.
Meine Benotung: 4/5

_______________________________________________________________________________
Als zweiter Film wurde “Alienation” von Laura Lehmus gezeigt. Es ist ein sehr süßes Animationswerk, dass sich mit den Problemen pubertierender Jugendlicher beschäftigt.
Eine sehr nette Idee die Jugendlichen dabei als Außerirdische erscheinen zu lassen, die sich selbst fremd und zugleich doch so nah sind.
Meine Benotung: 3/5

_______________________________________________________________________________
Der nächste Film “Dissonance” von Till Nowak hat mich mit einer visuellen Gewalt berührt, die mich zu Tränen gerührt hat. Ich kann nicht genau sagen, warum.
Ein wundervoll gestalteter Film, der zwischen Objektivität, Subjektivität, Realität und Fantasie schwankt. Die Dissonanz des Protagonisten wird eindrücklich dargestellt, so eindrücklich, dass es mich gefesselt und mitgerissen hat.
Die Emotionalität, die sich in kleinen Gesten, in großen Bildern und berührender Musik widerspiegelt und letzten Endes in der Konfrontation des Protagonisten mit der Wirklichkeit endet, ist grandios. Ich hätte der Komposition aus Bildern, Gefühlen und ihrer musikalischen Umsetzung durchaus noch sehr viel länger zuschauen können.
Fazit: Ein Film, der berührt, auf vielen Ebenen.
Meine Benotung: 5/5

_______________________________________________________________________________
Auch, wenn ich von “Dissonance” mehr als begeistert war, ist es doch der folgende Film gewesen, der mir (und dem restlichen Publikum, da er auch Gewinner des Publikumspreises ist) am besten gefallen hat. “Forever Over” von Erik Schmitt ist eine bedrückende und zugleich glücklich-machende Tragikkomödie, die das Thema “Beziehung und Langeweile” aufnimmt. Mia (Marleen Lohse) und Tim (Maxim Mehmet) führen eine glückliche Beziehung, scheinbar. Denn Mia ist das normale Paar-Sein einfach zu langweilig. Es gibt nichts Neues, stattdessen sind immer wieder Dinge dran, die sie schon gemacht oder erlebt haben. Um den Beziehungsalltag aufzufrischen, schlägt Mia Tim vor, dass sie ihre Wünsche und Träume aufschreiben und sie nach und nach abarbeiten. Für eine Zeit funktioniert das auch ganz gut, bis beide feststellen müssen, dass Wünsche und Träume sich auch zu Flüchen entwickeln können. Bis Mia bemerkt, dass ihre sichere, feste, langweilige Beziehung vielleicht genau eines nicht ist: sicher.
Ein wundervolles Stück über Verletzlichkeit, über das Leben, die Liebe und die Versessenheit auf Veränderung. Und auch darüber, dass ein Ende manchmal ein Neuanfang ist und Menschen, die wichtig sind, einen nie so ganz verlassen.
Sowohl filmisch als auch schauspielerisch brilliant umgesetzt. Ich habe jede Sekunde des Films genossen. Jede einzelne Sekunde. Mehr sogar, der Film bewegt. Er lässt über die Liebe nachdenken. Darüber, dass man selbst viel zu gerne seine Wünsche hinten anstellt, nur um im Alltag zu funktionieren. Dabei geht es doch gerade darum: Erfahrungen, Gefühle. Auch und vor allem in eienr Beziehung.
Fazit: Tolles Meisterwerk, ein definitives Must-See. (Und Taschentücher nicht vergessen, besonders der Schluss hat mich zu gerührten Tränen bewegt)
Meine Benotung: 5/5

FOREVER OVER TRAILER from Erik Schmitt on Vimeo.

_______________________________________________________________________________
Mit dem letzten Film konnte ich persönlich nicht so viel anfangen. “Kraut” von Oliver Dürr erzählt die Geschichte dreier Frauen, von denen eine einen Eintopf kochen will, während die anderen sich einmischen.
Zum Teil skurrile Dialoge, eine verstörende Stimmung und kein stimmiges Ende haben mich eher abgeschreckt, obwohl filmisch und schauspielerisch gut umgesetzt. Wandel, Verlust und Verfall werden sehr schön dargestellt und animieren zum Nachdenken. Aber mir ist das Ganze dann doch zu experimentell.
Meine Benotung: 2/5

Es folgt bald: Review zum Indie-Horror “It follows”…😉

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s